Biennale Auszeichnung für Absolvent:innen
Kunstpreis Delmenhorst
Der Kunstpreis Delmenhorst richtet sich an Absolvent:innen der bildenden Kunst im deutschsprachigen Raum, deren Abschluss nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Er wird nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern durch zwei unabhängige Jurys alle zwei Jahre vergeben. Ausgezeichnet werden jeweils drei Künstler:innen. Der Preis umfasst ein Preisgeld von je 5.000 € und eine gemeinsame Ausstellung in der Städtischen Galerie, die von einer Publikation begleitet wird.
In einem Gesamtvolumen von 50.000 € wird der Kunstpreis Delmenhorst maßgeblich durch den Allgemeinmediziner Calin Pirvu und die von der Heyde-Cordes-Stiftung ermöglicht, mit weiterer Unterstützung durch den Freundeskreis Haus Coburg e.V. und die Stadt Delmenhorst.
Kunstpreis Delmenhorst 2027
Der Kunstpreis Delmenhorst geht 2027 an Anastasiia Batishcheva, Hemansingh Lutchmun und Ian Waelder.
Im Herbst 2026 hat sich die Preisjury im Haus Coburg getroffen und einstimmig die Preisträger:innen aus der Nominiertenliste festgelegt. Zur Jury gehörten Eva Birkenstock (Kestner Gesellschaft, Hannover), Matilda Felix (Haus Coburg, Delmenhorst), Vincent Schier (Skulptur Projekte 2027, Münster), Andrée Sfeir-Semler (Sfeir-Semler Gallery, Hamburg) und Christopher Weickenmeier (Leuphana Universität, Lüneburg).
Die Jury zeigte sich insgesamt beeindruckt von dem sehr hohen Niveau aller 15 Nominierten. Zusammengenommen zeigte sich in den Portfolios eine Vielfalt an künstlerischen Positionen, die mit großer individueller Konzentration in der aktuellen Kunstwelt agieren.
Mit Anastasiia Batishcheva wird eine Künstlerin ausgewählt, die ein klassisches Malereistudium in Kiew begann, bevor sie 2019 an die Akademie in München wechselte und seitdem in den zeitbasierten Medien – Fotografie und Film – arbeitet. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Macht Bilder haben. In ihren Werken untersucht sie die historischen Kontexte und architektonischen Voraussetzungen, in die politische Propagandabilder, religiöse Ikonen, wissenschaftliche Illustration oder pornografische Darstellungen eingebettet sind. Die Jury überzeugte die räumliche Inszenierung ihrer Fotografien. Durch eigenwillige Hängungen und Arrangements aus Möbeln, Printsachen oder Murmeln erreicht Anastasiia Batishcheva eine Aktivierung, die ihre Recherchen im Ausstellungsraum zugänglich macht und die Betrachtenden in ihre Untersuchungen involviert.
Hemansingh Lutchmun wurde auf Mauritius geboren und absolvierte sein Studium an der Städelschule in Frankfurt a.M.. In seiner künstlerischen Praxis führen aufwendige Recherchearbeiten ebenso wie gefundene Objekte oder einfache Gesten zu Filmwerken, Skulpturen und Installationen, in denen er Ökonomien der Verdrängung inszeniert. Anhand seiner Familiengeschichte schildert Hemansingh Lutchmun die Spuren der Kolonialgeschichte in der Gegenwart, von denen nicht nur Menschen sondern auch Orte, Tiere oder Pflanzen betroffen sind. Die Jury war beeindruckt von der Sensibilität und Komplexität seiner Beobachtung. Es gelingt ihm, erzählte Erinnerungen mit Bildern zu kombinieren, die eine eigene Narrationen entwickeln und so auch in der Rezeption zum Weiterdenken anregen.
Ebenfalls ein Absolvent der Städelschule ist Ian Waelder. Er arbeitet mit Installationen, die häufig einen eigenen Raum erzeugen. In der Begegnung mit seiner Kunst befördern eingezogene Decken oder labyrinthische Arrangements Gefühle von Unsicherheit. Eine Klaviermelodie, Wassertropfen, Abformungen von Körperfragmenten verstärken das immersive Erleben. Ian Waelder bezieht diese Fragmente aus seinen Erinnerungen – beispielsweise an den Großvater, der 1939 vor den Nationalsozialisten floh. Ohne diese Erinnerungen auszubuchstabieren, schafft Ian Waelder Räume, in denen persönliche auf geteilte Erfahrungen und Geschichte auf die Gegenwart trifft. Die Jury hob seinen präzisen Umgang mit Materialität und Immaterialität hervor, sein fragmenthaftes Zitieren und sein Bespielen von Leerstellen, die Ian Waelder gleichermaßen nutzt.
Mit diesen Preisträger:innen bereitet Matilda Felix eine Ausstellung vor, die im Sommer 2027 eröffnet und zentrale Fragen ihrer künstlerischen Haltung vorstellen wird. Neben der Ausstellung gehören ein Geldpreis in Höhe von jeweils 5.000 € und Einzelkataloge zum Kunstpreis Delmenhorst.
Nominiert für den Kunstpreis Delmenhorst 2027 waren:
Nura Afnan-Samandari
Kunstakademie Düsseldorf
Anastasiia Batishcheva
Akademie der Bildenden Künste München
Eric Beier
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Lotte Dohmen
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Keta Gavasheli
Kunstakademie Düsseldorf
Bokyoung Jeong
Akademie der Bildenden Künste München
Ja Jess
Kunstakademie Düsseldorf
Swan Lee
Kunsthochschule Mainz
Hemansingh Lutchmun
Städelschule Frankfurt a.M.
Camilla Metelka
Akademie der Bildenden Künste München
Michael Mönnich
Akademie der Bildenden Künste München
Nicholas Stewens
Städelschule Frankfurt a.M.
Ian Waelder
Städelschule Frankfurt a.M.
Haha Wang
Akademie der Bildenden Künste München
Hamid Yaraghchi
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Zu der ersten Fachjury für das Jahr 2027 gehörten:
Tom Engels (Direktor, Kunstverein München), Haris Giannouras (Kurator, secession Wien), Susanne Greinke (Kuratorin, Hochschule für Bildende Künste Dresden), Julia Grosse (Mitbegründerin und künstlerische Leiterin der Plattform Contemporary And, Berlin) und Rebekka Seubert (Leiterin, Ludwig Forum, Aachen). Sie haben im Frühjahr 2026 jeweils drei Absolvent:innen für die Nominiertenliste vorgeschlagen.
Kunstpreis Delmenhorst 2025

Der Kunstpreis Delmenhorst wurde 2025 an Tomás Maglione, Vanessa Amoah Opoku und Fynn Ribbeck vergeben. Er umfasste eine gemeinsame Ausstellung, die im Juni 2025 eröffnet und von einem Katalog begleitet wurde, sowie ein Preisgeld von jeweils 5.000 €.
Ende September traf sich eine fünfköpfige Auswahljury im Haus Coburg, um aus der Nominiertenliste drei Preisträger:innen festzulegen. Zu dieser Fachjury gehörten: Jennifer Chert (Galerie ChertLüdde, Berlin), Matilda Felix (Haus Coburg | Städtische Galerie Delmenhorst), Christoph Platz-Gallus (Kunstverein Hannover), Edit Molnár (Edith Russ Haus, Oldenburg) und András Siebold (Kampnagel, Hamburg).
Tomás Maglione (Städelschule Frankfurt a.M.) arbeitet gattungsübergreifend mit Skulptur, Zeichnung, Fotografie und im Schwerpunkt mit Video. Thematisch konzentrieren sich seine Werke auf urbane Situationen, die im Alltag unsichtbar bleiben. Das kann ein schmaler Lichtstreifen sein, der zwischen mehrspurigen Autobahnen eine Nische findet oder eine eingeschworene Community von Planespottern, die ihre Freizeit in der Nähe von Flughäfen verbringen. Die Jury beeindruckte seine visuelle Poesie und der feinsinnige Humor, mit dem er diese Phänomene ins Bild und zugleich in einen gesellschaftlichen Kontext setzt.
In ihrer interdisziplinären Praxis arbeitet Vanessa Amoah Opoku (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) mit Animation, 3D-Scans, künstlicher Intelligenz, Skulptur, Performance und Klang. Ein wichtiges Element ihrer Arbeit sind mit dem Smartphone hergestellte 3D-Punktwolkenscans, mit denen sie Orte und Objekte erfasst und in eine digitale Ästhetik transformiert. Migration, diasporische Erfahrungen, marginalisierte Geschichten und postkoloniales Denken bilden die inhaltlichen Schwerpunkte von Opokus Arbeit. Die Jury überzeugte sowohl das erzählerische Potential ihrer digitalen Welt-Entwürfe als auch ihre kluge Kritik an fortschreitender Technologisierung.
Im Zentrum von Fynn Ribbecks (Kunstakademie Düsseldorf) Arbeit stehen atmosphärische Videoerzählungen und Skulpturen, in denen historische Archivbilder durch digitale Bearbeitung ein Eigenleben entwickeln. Seine Videos greifen Ereignisse wie den Deutschen Herbst auf und arrangieren gefundenes Bildmaterial neu. Die Jury würdigt, wie gekonnt Fynn Ribbeck das Analoge und Digitale verwebt. Er lässt traumartige Assoziationsräume entstehen, in denen vertraute Elemente in neuen Narrativen auftauchen und emotionale Beziehungen zwischen Geschichte und Gegenwart herstellen.
In einem Gesamtvolumen von 50.000 € wird der Kunstpreis Delmenhorst maßgeblich durch den Allgemeinmediziner Calin Pirvu und die von der Heyde-Cordes-Stiftung ermöglicht, mit weiterer Unterstützung durch den Freundeskreis Haus Coburg e.V. und die Stadt Delmenhorst. Er richtet sich an Absolvent:innen der Kunsthochschulen im deutschsprachigen Raum und wird biennal von zwei unabhängigen Fachjurys vergeben.
Für den Kunstpreis Delmenhorst 2025 nominiert waren: Noa und Lara Castro Lema (*1998 Spanien, 2022 Abschluss HGK FHNW Basel); Corç George Demir (*1991 Deutschland, 2022 Abschluss UdK Berlin); Rashiyah Elanga (*1997 Frankreich, 2022 Abschluss Städelschule Frankfurt a.M.); Yuchu Gao (*1993 China, 2024 Abschluss AdbK München); Golnaz Hosseini (*1990 Iran, 2022 Abschluss HGK FHNW Basel); Ludwig Kuffer (*1991 Deutschland, 2023 Abschluss Kunstakademie Düsseldorf); Tomás Maglione (*1985 Argentinien, 2023 Abschluss Städelschule Frankfurt a.M.); Vanessa Amoah Opoku (*1992 Deutschland, 2021 Abschluss HGB Leipzig); Clarita Maria Phiri-Beierdörffer (*Sambia, 2024 Abschluss HGB Leipzig); Chloe-Rose Purcell (*1990 Neuseeland, 2021 Abschluss HFBK Hamburg); Arisa Purkpong (*1995, 2022 Abschluss Kunstakademie Düsseldorf); Fynn Ribbeck (*1995 Deutschland, 2021 Abschluss Kunstakademie Düsseldorf); Robin Stretz (*1996 Deutschland, 2022 Abschluss Städelschule Frankfurt a.M.); Leonardo Bürgi Tenorio (*1994 Schweiz, 2023 Abschluss HGK FHNW Basel); Florin Weber (*1988 Rumänien, 2022 Abschluss HGB Leipzig).
Zu der diesjährigen Vorschlagsjury gehörten: Kathrin Bentele (Kunstverein Düsseldorf), Carina Bukuts und Liberty Adrien (Portikus, Frankfurt a.M.), Gürsoy Doğtaş (Kunsthistoriker und Kurator), Susanne Keichel (HGB Leipzig) und Chus Martínez (Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel).
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Vanessa Amoah Opoku
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