Kunstpreis Delmenhorst 2027
Der Kunstpreis Delmenhorst geht 2027 an Anastasiia Batishcheva, Hemansingh Lutchmun und Ian Waelder.
Im Herbst 2026 hat sich die Preisjury im Haus Coburg getroffen und einstimmig die Preisträger:innen aus der Nominiertenliste festgelegt. Zur Jury gehörten Eva Birkenstock (Kestner Gesellschaft, Hannover), Matilda Felix (Haus Coburg, Delmenhorst), Vincent Schier (Skulptur Projekte 2027, Münster), Andrée Sfeir-Semler (Sfeir-Semler Gallery, Beirut / Hamburg) und Christopher Weickenmeier (Leuphana Universität, Lüneburg).
Die Jury zeigte sich insgesamt beeindruckt von dem sehr hohen Niveau aller 15 Nominierten. Zusammengenommen zeigte sich in den Portfolios eine Vielfalt an künstlerischen Positionen, die mit großer individueller Konzentration in der aktuellen Kunstwelt agieren.
Mit Anastasiia Batishcheva wird eine Künstlerin ausgewählt, die ein klassisches Malereistudium in Kiew begann, bevor sie 2019 an die Akademie in München wechselte und seitdem in den zeitbasierten Medien – Fotografie und Film – arbeitet. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Macht Bilder haben. In ihren Werken untersucht sie die historischen Kontexte und architektonischen Voraussetzungen, in die politische Propagandabilder, religiöse Ikonen, wissenschaftliche Illustration oder pornografische Darstellungen eingebettet sind. Die Jury überzeugte die räumliche Inszenierung ihrer Fotografien. Durch eigenwillige Hängungen und Arrangements aus Möbeln, Printsachen oder Murmeln erreicht Anastasiia Batishcheva eine Aktivierung, die ihre Recherchen im Ausstellungsraum zugänglich macht und die Betrachtenden in ihre Untersuchungen involviert.
Hemansingh Lutchmun wurde auf Mauritius geboren und absolvierte sein Studium an der Städelschule in Frankfurt a.M.. In seiner künstlerischen Praxis führen aufwendige Recherchearbeiten ebenso wie gefundene Objekte oder einfache Gesten zu Filmwerken, Skulpturen und Installationen, in denen er Ökonomien der Verdrängung inszeniert. Anhand seiner Familiengeschichte schildert Hemansingh Lutchmun die Spuren der Kolonialgeschichte in der Gegenwart, von denen nicht nur Menschen sondern auch Orte, Tiere oder Pflanzen betroffen sind. Die Jury war beeindruckt von der Sensibilität und Komplexität seiner Beobachtung. Es gelingt ihm, erzählte Erinnerungen mit Bildern zu kombinieren, die eine eigene Narrationen entwickeln und so auch in der Rezeption zum Weiterdenken anregen.
Ebenfalls ein Absolvent der Städelschule ist Ian Waelder. Er arbeitet mit Installationen, die häufig einen eigenen Raum erzeugen. In der Begegnung mit seiner Kunst befördern eingezogene Decken oder labyrinthische Arrangements Gefühle von Unsicherheit. Eine Klaviermelodie, Wassertropfen, Abformungen von Körperfragmenten verstärken das immersive Erleben. Ian Waelder bezieht diese Fragmente aus seinen Erinnerungen – beispielsweise an den Großvater, der 1939 vor den Nationalsozialisten floh. Ohne diese Erinnerungen auszubuchstabieren, schafft Ian Waelder Räume, in denen persönliche auf geteilte Erfahrungen und Geschichte auf die Gegenwart trifft. Die Jury hob seinen präzisen Umgang mit Materialität und Immaterialität hervor, sein fragmenthaftes Zitieren und sein Bespielen von Leerstellen, die Ian Waelder gleichermaßen nutzt.
Mit diesen Preisträger:innen bereitet Matilda Felix eine Ausstellung vor, die im Sommer 2027 eröffnet und zentrale Fragen ihrer künstlerischen Haltung vorstellen wird. Neben der Ausstellung gehören ein Geldpreis in Höhe von jeweils 5.000 € und Einzelkataloge zum Kunstpreis Delmenhorst.
Nominiert für den Kunstpreis Delmenhorst 2027 waren:
Nura Afnan-Samandari
Kunstakademie Düsseldorf
Anastasiia Batishcheva
Akademie der Bildenden Künste München
Eric Beier
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Lotte Dohmen
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Keta Gavasheli
Kunstakademie Düsseldorf
Bokyoung Jeong
Akademie der Bildenden Künste München
Ja Jess
Kunstakademie Düsseldorf
Swan Lee
Kunsthochschule Mainz
Hemansingh Lutchmun
Städelschule Frankfurt a.M.
Camilla Metelka
Akademie der Bildenden Künste München
Michael Mönnich
Akademie der Bildenden Künste München
Nicholas Stewens
Städelschule Frankfurt a.M.
Ian Waelder
Städelschule Frankfurt a.M.
Haha Wang
Akademie der Bildenden Künste München
Hamid Yaraghchi
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Zu der ersten Fachjury für das Jahr 2027 gehörten:
Tom Engels (Direktor, Kunstverein München), Haris Giannouras (Kurator, secession Wien), Susanne Greinke (Kuratorin, Hochschule für Bildende Künste Dresden), Julia Grosse (Mitbegründerin und künstlerische Leiterin der Plattform Contemporary And, Berlin) und Rebekka Seubert (Leiterin, Ludwig Forum, Aachen). Sie haben im Frühjahr 2026 jeweils drei Absolvent:innen für die Nominiertenliste vorgeschlagen.