Was ist verloren?
Wieland Schönfelder & El Lissitzky

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Unter der titelgebenden Frage „Was ist verloren?“ zeigt das Haus Coburg die erste institutionelle Einzel­ausstellung des Berliner Künstlers Wieland Schönfelder, die im Dialog mit einer Figurinen-Mappe von El Lissitzky entstand.

Wieland Schönfelder arbeitet mit einem szenografischen Verständnis von Skulptur, die ebenso gut Installation genannt werden könnte, da sie die Grenzen zwischen Figur, Raum und bewegtem Bild gekonnt ignoriert. Seine Skulpturen gleichen Glieder­puppen, die in verschiedene Haltungen gebracht werden, um theatral überspitzte Gefühls­lagen auszudrücken. Opulente Vorhänge, Modell­bühnen in Miniatur, Requisiten und Backstage­bereiche sind weitere Anleihen aus der Welt des Theaters, die Wieland Schönfelder in den Ausstellungs­räumen einsetzt.

Den Ausgangs­punkt für diese Inszenierung im Haus Coburg lieferte die Figurinen-Mappe Die plastische Gestaltung der elektro-mechanischen Schau ‚Sieg über die Sonne‘ von El Lissitzky (*1890 in Potschinok, Russland; †1941 in Moskau). Er bezog sich auf eine futuristische Oper von Michael Matjuschin, die 1913 im zaristischen Petersburg erstaufgeführt wurde und den technischen Fortschritts­glauben ihrer Zeit persiflierte. Als El Lissitzky 1923, kurz nach Gründung der Sowjetunion, von der Kestner Gesellschaft eingeladen wurde, ein Mappenwerk zu gestalten, wählte er diesen Opernstoff. Er entwarf neun Figuren aus geometrischen und typografischen Elementen, die mit einem in jede Richtung flexiblen Bewegungs­apparat ausgestattet sind. Rationale Formen und hohe Agilität bilden hier die Grund­elemente für eine positive Zukunfts­vision. Auf einer Banderole des Deckblatts adressiert Lissitzky fünfsprachig ein internationales Publikum mit dem Motto: „ALLES IST BIEN WAS GOOD НАЧИНАЕТСЯ ET HAT NO FINETA“ – Alles ist gut, was gut beginnt und nicht endet.

Dagegen rückt Wieland Schönfelder in seiner Neu­bearbeitung die Verlust­erfahrung wieder ins Zentrum. Denn der Sieg über die Sonne, führt zu ihrem Verschwinden. Die Folgen nicht kalkulier­bar, und diese individuelle Verunsicherung bekommt gesellschaftliche Dimensionen.

Wieland Schönfelder (*1985 Berlin) hat am Konservatorium in Wien Schauspiel studiert, bevor er von 2012 bis 2018 ein Studium der freien Kunst an der Universität der Künste in Berlin in der Klasse von Manfred Pernice absol­vierte. Unterbrochen wurde sein Studium von einem Auslands­jahr, das er am renommierten Schools of Arts Institute in Chicago verbrachte, wo er sich mit den performativen Video­installationen von Paul McCarthy beschäftigte. Doch während sich Paul McCarthy am Fernseh­programm orientiert, Reality-Formate, Werbung und Soaps zitiert, um Gesellschaft in den Blick zu nehmen, wildert Wieland Schönfelder für seine Motiv­findung in der Film- und Theater­welt. Für erste Präsentationen im Kunst­betrieb nutze er in den letzten Jahren Off-Spaces in Berlin, Wien, Porto und Köln. Er ist momentan in der Gruppen­ausstellung Smaller Worlds. Diorama in Contemporary Art am Museum Ludwig in Budapest vertreten.

Die Ausstellung wird unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und dem Freundeskreis Haus Coburg e.V.

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